
SR, LR, LRM, ER, ZR – wer ein 10-Gigabit-Netzwerk plant, kommt an diesen Abkürzungen nicht vorbei. Aber welches Modul ist für welchen Einsatz wirklich geeignet? Falsch gewählt und Sie haben entweder zu wenig Reichweite oder geben sinnlos Geld für Leistung aus, die Sie nie brauchen.
Ein SFP-Transceiver (Small Form-factor Pluggable) ist ein kompaktes, steckbares Modul, das in Netzwerkgeräten wie Switches, Routern oder Servern eingesetzt wird. Seine Aufgabe: elektrische Signale des Geräts in optische Signale umwandeln und über Glasfaser- oder Kupferkabel übertragen – und umgekehrt. Das „Pluggable" im Namen ist dabei wörtlich zu nehmen: Module lassen sich im laufenden Betrieb tauschen, ohne das Gerät herunterzufahren.
Was SFP-Module so praktisch macht, ist ihre Vielseitigkeit. Je nach eingesetztem Modul unterstützt derselbe Switch-Port unterschiedliche Reichweiten, Wellenlängen und Datenraten – von 1 Gbit/s bis 10 Gbit/s und darüber hinaus. Das erlaubt es, ein Gerät flexibel an verschiedene Netzwerkumgebungen anzupassen, ohne die Hardware zu wechseln.
Für 10-Gigabit-Verbindungen wird heute überwiegend der SFP+-Formfaktor verwendet – eine Weiterentwicklung des ursprünglichen SFP-Standards mit identischer Bauform, aber höherer Datenrate. Die Wahl des richtigen Moduls hängt dabei von drei Faktoren ab: der zu überbrückenden Distanz, dem vorhandenen oder geplanten Kabeltyp und dem Budget.
Die Bezeichnungen SR und LR beschreiben in erster Linie die optische Reichweite des Transceivers. Konkret unterscheiden sich beide Module in Wellenlänge, Fasertyp und Laser-Technologie – und damit auch in Kosten und Energieverbrauch.
SR (Short Range) arbeitet mit einer Wellenlänge von 850 nm und ist auf Multimode-Glasfaser (MMF) ausgelegt. Der Kern einer MMF-Faser ist mit 50 oder 62,5 Mikrometern deutlich dicker als bei Singlemode-Fasern, wodurch mehrere Lichtwege gleichzeitig durch die Faser laufen können. Das macht die Herstellung günstiger – aber die Lichtmodi überlagern sich mit zunehmender Distanz, was die Reichweite begrenzt. Als Lichtquelle kommt ein VCSEL (Vertical-Cavity Surface-Emitting Laser) zum Einsatz – günstig und effizient, aber eben nicht für große Distanzen geeignet.
LR (Long Range) operiert bei 1310 nm und verwendet Singlemode-Glasfaser (SMF). Mit einem Kerndurchmesser von nur etwa 9 Mikrometern lässt diese Faser nur einen einzigen Lichtweg durch – das minimiert Signalverluste drastisch. Als Lichtquelle dient ein DFB-Laser (Distributed Feedback Laser), der präziser und leistungsstärker ist, aber auch teurer in der Herstellung.
SR und LR decken die häufigsten Szenarien ab, aber es gibt weitere Optionen für Spezialfälle:
LRM (Long Reach Multimode): Für alle, die bereits ältere Multimode-Infrastruktur (OM1/OM2) verbaut haben und auf 10G upgraden wollen, ohne die Kabel zu tauschen. LRM nutzt 1310 nm statt 850 nm und erreicht damit bis zu 220 Meter auch über ältere Multimode-Fasern. Die integrierte elektronische Dispersionskompensation (EDC) gleicht Signalverzerrungen aus.
ER (Enhanced Reach): Singlemode, 1550 nm, bis zu 40 km. Für mittlere bis lange Distanzen, etwa zwischen Betriebsstätten in derselben Stadt. Wichtig: Bei Strecken unter 20 km braucht man zwingend einen optischen Abschwächer, da der Laser zu stark für kurze Verbindungen ist.
ZR (Zepto Reach): Ebenfalls 1550 nm, bis zu 80 km, ebenfalls Singlemode. ZR ist kein offizieller IEEE-Standard, sondern eine herstellerübergreifende Konvention – mit eingeschränkter Interoperabilität zwischen verschiedenen Hersteller-Implementierungen. Vor dem Einsatz unbedingt einen optischen Leistungstest der Strecke durchführen.
| Merkmal | SR (Short Range) | LR (Long Range) | LRM (Long Reach Multimode) | ER (Extended Reach) | ZR (Zero Dispersion Shifted Range) |
|---|---|---|---|---|---|
| Typischer Einsatz | Rechenzentrum, Serverraum | Campusnetz, Gebäudeverbindung | Upgrade älterer MMF-Infrastruktur | Stadtverbindungen, mittlere Distanzen | Weitstrecke, Metropolnetze |
| Wellenlänge | 850 nm | 1310 nm | 1310 nm | 1550 nm | 1550 nm |
| Fasertyp | Multimode (OM3/OM4) | Singlemode (OS1/OS2) | Multimode (OM1–OM4) | Singlemode (OS1/OS2) | Singlemode (OS2) |
| Kerndurchmesser Faser | 50 / 62,5 µm | ~9 µm | 50 / 62,5 µm | ~9 µm | ~9 µm |
| Maximale Reichweite | 300 m (OM3) / 400 m (OM4) | bis zu 10 km | bis zu 220 m | bis zu 40 km | bis zu 80 km |
| Lichtquelle | VCSEL | DFB-Laser | DFB-Laser | DFB-Laser | DFB-Laser |
| Modulpreis (ca.) | 30–200 € | 50–300 € | 80–250 € | 100–500 € | 150–700 € |
| Kabelpreis | höher (MMF) | geringer (SMF) | höher (MMF) | geringer (SMF) | geringer (SMF) |
| Stromverbrauch | ~1–2 W | ~2–4 W | ~1–2 W | ~2–4 W | ~3–5 W |
| Attenuator nötig? | Nein | Nein | Nein | Ja (< 20 km) | Ja (< 20 km) |
| IEEE-Standard | 10GBASE-SR | 10GBASE-LR | 10GBASE-LRM | 10GBASE-ER | Kein offizieller Standard |
Die Herstellerangaben gelten unter Laborbedingungen mit sauber konfektionierten Kabeln. In der Praxis gibt es Dämpfung durch Stecker, Spleißstellen, Winkel und Verschmutzung. Als grobe Faustregel sollte man mit einem Sicherheitspuffer von 15–20 % auf die Maximaldistanz rechnen.
Wer also zwei Gebäude verbindet, die 280 Meter Luftlinie auseinander liegen, muss die tatsächliche Kabellänge (häufig 350–400 m durch Kabelführung plus Patchkabel) einrechnen – und könnte bereits außerhalb des SR-Bereichs liegen.
Die reine Modulbeschaffung ist nur ein Teil der Gleichung. Wer ein neues Glasfasernetz plant, muss Modul- und Kabelkosten zusammen betrachten.
Annahme: 2 Transceiver (je 1 pro Ende), 80 m Glasfaserkabel
| Kostenpunkt | SR-Lösung (OM3) | LR-Lösung (SMF) |
|---|---|---|
| 2× Transceiver | ~80 € | ~160 € |
| 80 m Kabel | ~40 € (OM3-Duplex) | ~20 € (SMF-Duplex) |
| Gesamtkosten | ~120 € | ~180 € |
➡ Ergebnis: SR spart hier gut 33 % der Gesamtkosten.
| Kostenpunkt | SR-Lösung (OM4) | LR-Lösung (SMF) |
|---|---|---|
| 2× Transceiver | ~120 € | ~200 € |
| 1.200 m Kabel | ~960 € (OM4-Duplex, ~0,80 €/m) | ~240 € (SMF-Duplex, ~0,20 €/m) |
| Gesamtkosten | nicht möglich (Limit ~400 m) | ~440 € |
➡ Ergebnis: LR ist hier nicht nur günstiger, sondern die einzig funktionsfähige Option. Selbst wenn man eine OM4-Verbindung verlängern wollte, würde das Signal ab 400 m schlicht nicht mehr ausreichend ankommen.
Ein einzelner SR-Transceiver verbraucht typischerweise rund 1,5 W, ein LR-Transceiver rund 3 W. Klingt gering – summiert sich aber in einem Rack mit 48 Ports:
Bei einem Strompreis von 0,30 €/kWh und einem PUE-Wert von 1,5 (typisches Rechenzentrum) ergibt sich:
Das sind knapp 285 € Mehrkosten pro Jahr nur durch den höheren Stromverbrauch der LR-Module – bei 48 Ports. In großen Rechenzentren kann das schnell in die Tausende gehen.
Fazit: Wer LR-Module dort einsetzt, wo SR ausreichen würde, zahlt drauf – beim Einkauf und im Betrieb.
Wie lang ist deine geplante Glasfaserstrecke?
Unter 300 m?
├── Ja → Welche Faser ist bereits verlegt oder geplant?
│ ├── Multimode vorhanden → SR-Modul
│ ├── Singlemode vorhanden → LR-Modul (Verschwendung, aber funktioniert)
│ └── Neuinstallation → SR + OM4 (günstigstes Gesamtpaket)
Über 300 m?
├── Bis 400 m mit OM4? → SR auf OM4 möglich, aber knapp – LR empfohlen
├── 400 m bis 10 km? → LR-Modul auf SMF
└── Über 10 km? → ER (bis 40 km) oder ZR (bis 80 km) – andere Kategorie
Damit Sie eine bessere Vorstellung bekommen, wie SR- und LR-Module bei den gängigen Herstellern bezeichnet werden, hier eine kleine Übersicht aus unserem Shop.
SFP-10G-SR (Multimode, 850 nm, 300 m) und SFP-10G-LR (Singlemode, 1310 nm, 10 km) sind die Standardbezeichnungen. Für besondere Anforderungen gibt es zudem die SFP-10G-LR10-I, die eine Linklänge von 10 Kilometern auf Standard-Singlemode-Faser unterstützt und für einen industriellen Betriebstemperaturbereich ausgelegt ist.
Der JNP-SFP-10G-SR ist das Multimode-Modul für kurze Distanzen bis 300 Meter mit einer Wellenlänge von 850 nm, während der JNP-SFP-10G-LR mit Singlemode-Faser und 1310 nm Wellenlänge Strecken bis zu 10 Kilometer abdeckt. Für höhere Datenraten bietet Juniper den JNP-SFP-25G-LR an, der bei gleicher Reichweite von 10 Kilometern bereits 25 Gbit/s über Singlemode-Faser überträgt.
Der HPE X130 10G SFP+ LC SR (J9150A) ist das Multimode-Modul für kurze Distanzen bis 300 Meter, der HPE X130 10G SFP+ LC LR (J9151A) die Singlemode-Variante für Strecken bis zu 10 Kilometer. Beide Module sind auf den SFP+-Formfaktor ausgelegt und für den Einsatz in HPE-Switches der entsprechenden Serien optimiert.
Der UF-MM-10G ist das Multimode-Modul (entspricht SR) für kurze Distanzen, der UF-SM-10G die Singlemode-Variante (entspricht LR) für längere Strecken. Der Zusatz „UF" steht für UniFi Fiber – beide Module sind speziell für den Einsatz in UniFi-Switches mit SFP+-Ports optimiert.
Kurze Antwort: Nein. Ein SR-Modul mit einem LR-Modul direkt zu verbinden funktioniert nicht – die Wellenlängen sind inkompatibel (850 nm vs. 1310 nm) und auch die Fasertypen passen nicht zusammen. Wer ein Multimode-Kabel an einen Singlemode-Transceiver anschließt, riskiert erhebliche Signalverluste oder sogar Schäden am Modul. Immer darauf achten: gleicher Fasertyp auf beiden Seiten, gleiche Wellenlänge.
Rechenzentrum: Verbindungen zwischen Servern, Switches und Storage innerhalb eines Gebäudes oder sogar innerhalb eines Raums liegen fast immer unter 100 Metern. SR-Module auf OM3 oder OM4 sind hier die Standardwahl – günstig, energiesparend und die Portdichte der Switches bleibt erhalten, weil die Module klein bleiben.
Campusnetz / mehrere Gebäude: Sobald Verbindungen zwischen Gebäuden oder längere Glasfaserstrecken ins Spiel kommen, liegen die Distanzen schnell bei 500 m, 1 km oder mehr. Hier ist LR auf SMF die richtige Wahl. Ein weiterer Vorteil von SMF: Singlemode-Kabel sind robuster gegenüber Temperaturunterschieden und haben deutlich geringere Dämpfungswerte pro Kilometer als Multimode-Kabel.
Hyperscale / mehrere Standorte: Für die Verbindung geographisch verteilter Rechenzentren reicht LR meist nicht aus. Hier kommen ER oder ZR zum Einsatz.
Wie zukunftssicher ist die gewählte Infrastruktur?
Wer heute OM4-Multimode verlegt, kann mit SR-Modulen auf 10G starten – aber eine Erweiterung auf 100G wird schwierig. OM4-Fasern unterstützen zwar theoretisch 100G über kurze Strecken, aber die Reichweite schrumpft erheblich. Singlemode-Fasern hingegen sind praktisch zukunftssicher: 10G, 25G, 100G, 400G – alles läuft über SMF, die Reichweite bleibt erhalten.
Empfehlung für Neuinstallationen außerhalb von Gebäuden: Im Zweifelsfall Singlemode verlegen, auch wenn heute nur 10G benötigt wird. Die Mehrkosten für das Kabel sind überschaubar und man spart sich eine aufwändige Kabelerneuerung in drei oder fünf Jahren.
Es gibt kein universell besseres Modul. Die Entscheidung zwischen SR und LR hängt von drei Faktoren ab: Distanz, Infrastruktur und Budget – und zwar immer alle drei zusammen betrachtet.
Wer innerhalb eines Gebäudes arbeitet, Distanzen unter 300 Metern hat und eine neue Multimode-Infrastruktur verlegt: SR auf OM4 ist die wirtschaftlichste Lösung. Wer Gebäude verbindet, Außentrassen plant oder langfristig skalieren will: LR auf SMF ist die richtigere Investition, selbst wenn sie im ersten Moment teurer wirkt. Und wer beide Szenarien in einem Netzwerk hat – was der Normalfall ist – nutzt einfach beides: SR im Rechenzentrumskern, LR für die Uplinks und Außenverbindungen.
In unserem Shop finden Sie passende SR- und LR-Transceiver für Ihre Netzwerkinfrastruktur von führenden Herstellern wie Cisco, HPE, Juniper und Ubiquiti. Nutzen Sie einfach unser Anfrageformular – wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl des richtigen Transceivers.
SFP+ ist die Weiterentwicklung des Standard-SFP-Formats. Während klassische SFP-Module auf 1 Gbit/s ausgelegt waren, unterstützt SFP+ Datenraten bis 10 Gbit/s. Die physische Formgröße ist identisch – SFP+ ist rückwärtskompatibel mit SFP-Ports (aber nicht umgekehrt für 10G).
Grundsätzlich ja – die meisten alternativen Hersteller bieten kodierte Module für die gängigen Switch-Plattformen an. Allerdings setzen manche Hersteller (insbesondere Cisco) auf Herstellererkennung und blockieren nicht-zertifizierte Module standardmäßig. Das lässt sich oft per CLI umgehen (no service unsupported-transceiver bei Cisco IOS), aber man sollte sich im Klaren sein, dass der Hersteller im Supportfall auf diesen Punkt hinweisen kann.
Nein. Beide Modultypen verwenden üblicherweise LC-Duplex-Stecker. Das gilt sowohl für Multimode- als auch Singlemode-Faserkabel. Vorsicht aber bei MTP/MPO-Konnektoren, die in manchen Hochdichte-Installationen eingesetzt werden – das ist eine andere Kategorie.
Die mechanische Lebensdauer wird typischerweise mit 7 bis 10 Jahren angegeben. In der Praxis werden Module oft früher getauscht – entweder weil sie beschädigt wurden (häufigste Ursache: Kontaminierung der optischen Flächen durch schmutzige Faserstecker), oder weil Netzwerk-Upgrades neue Formfaktoren erfordern. Regelmäßige Reinigung der LC-Stecker mit geeigneten Reinigungsstiften verlängert die Lebensdauer deutlich.
Ja, aber mit Einschränkungen. LR-Module sind für Strecken von einigen hundert Metern bis 10 km ausgelegt. Auf sehr kurzen Strecken (unter 100 m) kann der Laser zu stark sein und den Empfänger übersteuern. In solchen Fällen hilft ein optischer Abschwächer (Attenuator) – ein kleines, preiswertes Bauteil, das an den Stecker gesteckt wird.
Technisch ist es möglich, aber nicht empfehlenswert. SR-Module sind für OM3 und OM4 spezifiziert. Auf den älteren OM1/OM2-Fasern schrumpft die zuverlässige Reichweite erheblich – bei OM1 teilweise auf unter 30 m für 10G. In solchen Fällen ist LRM die bessere Wahl.